Fallstudie: Erdwärmepumpe im sanierten Altbau 200m² Norddeutschland
Fallstudie Erdwärme: sanierter Altbau (1928, 200 m²) ersetzt Öl — 48.000 € Investition, 16.500 € KfW-Zuschuss, JAZ 4,5, Betriebskosten 1.390 €/Jahr.
Ein 1928 gebauter, 2018 umfassend sanierter Altbau im Raum Lübeck ersetzt seine Ölheizung von 1998 durch eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit zwei 100-Meter-Erdsonden. Die Zahlen des anonymisierten, redaktionell aufbereiteten Projekts: 48.000 € Investition, 16.500 € KfW-Zuschuss, gemessene Jahresarbeitszahl 4,5 und Betriebskosten von rund 1.390 €/Jahr statt zuvor fast 3.500 € mit Öl. Diese Fallstudie zeigt den kompletten Rechenweg — von der Sondenauslegung über die Förderung bis zur ehrlichen Amortisationsrechnung, inklusive des Vergleichs mit der günstigeren Luft-Wärmepumpe.
Das Wichtigste in Kürze
- Objekt: Altbau 1928, 200 m², saniert 2018, Heizwärmebedarf 22.000 kWh/Jahr, Heizlast ca. 12 kW.
- Anlage: 12-kW-Sole-Wärmepumpe, zwei Erdsonden à 100 m — Bohrtiefe bewusst unter der 100-m-Bergrechtsgrenze.
- Geld: 48.000 € brutto − 16.500 € KfW-458-Zuschuss (55 %) = 31.500 € Eigenanteil.
- Betrieb: 4.889 kWh Strom (JAZ 4,5), WP-Tarif 22 ct → 1.390 €/Jahr Gesamtbetriebskosten, Ersparnis gegenüber Öl-Weiterbetrieb ca. 2.065 €/Jahr.
- Amortisation: gegenüber einer neuen Ölheizung rund 10 Jahre, gegenüber dem Weiterbetrieb der Altanlage rund 15 Jahre.
Das Objekt: sanierter Altbau mit Reserven
| Merkmal | Details |
|---|---|
| Baujahr / Wohnfläche | 1928 / 200 m² (Einfamilienhaus) |
| Lage | Raum Lübeck, Schleswig-Holstein |
| Sanierung 2018 | Dach (U ≈ 0,16), Fassade WDVS (U ≈ 0,23), 3-fach-Fenster (Uw ≈ 1,0) |
| Heizung alt | Öl-Niedertemperaturkessel von 1998, Nutzungsgrad ca. 80 % |
| Wärmebedarf | ca. 22.000 kWh/Jahr inkl. Warmwasser (110 kWh/m²a) |
| Heizlast (DIN EN 12831) | ca. 12 kW |
| Heizflächen | Heizkörper; Vorlauf nach Optimierung max. 50–55 °C |
| Grundstück | 1.200 m², freier Garten mit Bohrgeräte-Zufahrt |
Die Sanierung von 2018 ist die halbe Miete dieser Fallstudie: Sie drückte den Wärmebedarf und erlaubte, die Vorlauftemperatur von einst 70 °C auf 50–55 °C zu senken — drei knapp bemessene Heizkörper (Bäder) wurden dafür getauscht (2.000 €, in der Investitionssumme enthalten). Ohne diese Vorarbeit wäre die gemessene JAZ von 4,5 nicht erreichbar gewesen.
Warum Erdwärme? Drei Optionen im Vergleich
Ein Gasanschluss existiert nicht — zur Wahl standen:
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: rund 26.000 € komplett, JAZ hier realistisch ~3,6, Außengerät mit Schallthema zum Nachbarn.
- Neue Öl-Brennwertheizung: rund 15.000 €, schnell umgesetzt, aber volles CO2-Preis- und Regulierungsrisiko.
- Sole-Wasser-Wärmepumpe: rund 48.000 € mit Bohrung — höchste Effizienz, kein Außengerät, Quelle hält 50+ Jahre.
Den Ausschlag für Erdwärme gaben der große Garten mit Zufahrt für das Bohrgerät, der Wunsch nach einer lärmfreien Lösung und die langfristige Perspektive: Die Familie plant, dauerhaft im Haus zu bleiben — dann zahlt sich die teure, aber praktisch verschleißfreie Erdsonde über Jahrzehnte aus.
Auslegung und Genehmigung: So kamen die 2 × 100 Meter zustande
Der Rechenweg des Planungsbüros, vereinfacht nachvollziehbar:
- Entzugsleistung bestimmen: Die Sonde muss liefern, was die Wärmepumpe der Erde entzieht: Heizleistung × (1 − 1/COP). Mit 12 kW und COP ≈ 4,8 am Auslegungspunkt (B0/W35): 12 × (1 − 1/4,8) ≈ 9,5 kW Kälteleistung.
- Sondenlänge ableiten: Für norddeutsche Geschiebemergel-/Sandböden setzte der Geologe eine spezifische Entzugsleistung von ca. 50 W/m an: 9.500 W ÷ 50 W/m = 190 m Sondenlänge → gewählt: 2 Sonden à 100 m mit 6 m Mindestabstand.
- Genehmigung: Erdsonden sind wasserrechtlich genehmigungspflichtig — Anzeige/Erlaubnis bei der Unteren Wasserbehörde ist immer nötig, in Wasserschutzgebieten sind Bohrungen oft unzulässig. Ab 100 m Tiefe greift zusätzlich das Bergrecht; genau deshalb bleiben viele Projekte wie dieses knapp darunter und verteilen die Länge auf zwei Bohrungen. Bearbeitungszeit hier: rund sechs Wochen.
Für die zwei Sonden samt Abständen genügen übrigens schon 50–100 m² freie Fläche — die 1.200 m² Garten waren Komfort, nicht Voraussetzung. Entscheidender ist die Zufahrt: Das Bohrgerät braucht Platz und tragfähigen Untergrund.
Investition und Förderung: die Realzahlen
Die Förderbausteine (KfW 458, Antrag 2024 zu den damals geltenden Konditionen): 30 % Grundförderung + 20 % Klimageschwindigkeits-Bonus (Austausch einer funktionsfähigen Ölheizung, selbstgenutzt) + 5 % Effizienz-Bonus (Wärmequelle Erdreich) = 55 %. Gefördert wurden im Einfamilienhaus zum Antragszeitpunkt maximal 30.000 € Kosten (für Neuanträge gelten mit der BEG-Reform, beschlossen 08.07.2026, gültig ab 21.07.2026, andere Konditionen: Deckel 28.000 €, Klimageschwindigkeits-Bonus 16 %, Effizienz-Bonus entfallen; endgültiger Richtlinientext ausstehend) — der Zuschuss betrug daher 16.500 €, nicht 55 % von 48.000 €. Genau dieser Deckel macht Erdwärme-Projekte relativ teurer als Luft-WP-Projekte, deren Kosten oft fast vollständig unter dem Deckel liegen.
Der Ablauf war fördersicher: Vertrag mit Bohrfirma und Heizungsbau nur mit aufschiebender Förderbedingung, dann Antrag über das KfW-Portal (mit „Bestätigung zum Antrag" des Energieberaters), Zusage nach wenigen Tagen — erst danach Auftragsfreigabe. Die frühere BAFA-Zuständigkeit für Heizungsförderung endete 2023; seit 2024 läuft der Heizungstausch-Zuschuss ausschließlich über die KfW.
| Phase | Zeitraum | Dauer |
|---|---|---|
| Energieberatung, Planung, Bohrfirmen-Auswahl | Februar–April 2024 | ca. 10 Wochen |
| KfW-Antrag + Zusage | Mai 2024 | 2 Wochen |
| Wasserrechtliche Erlaubnis | Mai–Juni 2024 | 6 Wochen |
| Bohrung (2 × 100 m) | August 2024 | 3 Tage |
| Installation + Inbetriebnahme | September–Oktober 2024 | 4 Wochen |
| Erstes volles Messjahr | Kalenderjahr 2025 | 12 Monate |
Von der ersten Beratung bis zur laufenden Anlage vergingen rund 8 Monate — Erdwärme braucht mehr Vorlauf als ein Luft-WP-Projekt, vor allem wegen Genehmigung und Bohrtermin.
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Jetzt startenBetrieb im Messjahr: JAZ 4,5 und die ehrlichen Kosten
Wärmemengenzähler und WP-Stromzähler ergaben nach zwölf Monaten: 22.000 kWh Wärme, 4.889 kWh Strom → JAZ = 4,5 (inkl. Warmwasser). Das liegt im Erwartungsband für Sole-Anlagen im sanierten Bestand — die Erdsonde liefert im tiefsten Winter konstant um 10 °C Quelltemperatur, während Luft-WP dann bei −10 °C arbeiten müssen.
| Betriebskosten pro Jahr | Wärmepumpe | Ölheizung alt (Vergleich) |
|---|---|---|
| Energie | 4.889 kWh × 0,22 € = 1.076 € | 2.750 l Öl* × 1,10 €/l = 3.025 € |
| Wartung (+ Schornsteinfeger bei Öl) | 180 € | 350 € |
| Versicherung / Kleinteile | 95 € + 35 € | 80 € |
| Gesamt | ca. 1.390 € | ca. 3.455 € |
*22.000 kWh Nutzwärme ÷ 0,8 Kesselnutzungsgrad ≈ 27.500 kWh ≈ 2.750 l Heizöl. Ölpreis 1,10 €/l als Beispielannahme — Heizöl schwankt stark. Der Strompreis von 22 ct/kWh ist der tatsächliche WP-Tarif der örtlichen Stadtwerke (mit §-14a-Netzentgeltreduzierung); die bundesweite Spanne liegt 2026 bei etwa 20–27 ct/kWh.
Ersparnis gegenüber dem Öl-Weiterbetrieb: rund 2.065 €/Jahr.
Amortisation: zwei Rechnungen, zwei ehrliche Antworten
Der Ölkessel von 1998 stand am Lebensende — deshalb ist der faire Maßstab die ohnehin fällige Ersatzinvestition:
Rechnung 1 — gegen eine neue Öl-Brennwertheizung (15.000 €): Die neue Ölheizung hätte ca. 3.114 €/Jahr gekostet (2.440 l × 1,10 € + 430 € Nebenkosten). Mehrkosten der Erdwärme: 31.500 − 15.000 = 16.500 €. Ersparnis: 3.114 − 1.390 = 1.724 €/Jahr. Amortisation: 16.500 ÷ 1.724 ≈ 9,6 Jahre.
Rechnung 2 — gegen den (hypothetischen) Weiterbetrieb des alten Kessels: Voller Eigenanteil 31.500 € ÷ 2.065 €/Jahr Ersparnis = rund 15 Jahre. Diese Zahl wäre maßgeblich, wenn der Kessel noch lange durchgehalten hätte — real drohten stattdessen Reparaturen und ein Nottausch.
Beide Zahlen gelten für konstante Energiepreise. Steigt Öl (CO2-Preis ab 2027 im ETS 2) schneller als Strom, verkürzen sich beide Zeiträume; die 2018er-Sanierung wurde hier nicht der Wärmepumpe angerechnet, weil sie unabhängig davon erfolgte.
Der 20-Jahre-Blick — inklusive der unbequemen Wahrheit
Vollständigkeit verlangt den Vergleich mit der Luft-Wärmepumpe, die auch möglich gewesen wäre (26.000 € brutto, mit 46 % Förderung — BEG-Reform, gültig ab 21.07.2026 — 14.040 € Eigenanteil, JAZ ~3,6 → ca. 1.654 €/Jahr Betrieb):
Rein auf 20 Jahre gerechnet wäre die Luft-Wärmepumpe die günstigste Option gewesen — das gehört zur ehrlichen Bilanz. Die Erdwärme-Entscheidung trägt trotzdem, aus drei Gründen: Erstens bleibt die Bohrung (fast die Hälfte der Investition) beim Gerätetausch nach 20–25 Jahren erhalten — die zweite Wärmepumpen-Generation kostet dann nur noch das Gerät, während die Luft-WP erneut komplett fällig wird. Zweitens liefert die Sonde auch in Extremwintern stabile Effizienz ohne Heizstab-Risiko. Drittens gibt es kein Außengerät — kein Schallschutznachweis, kein Nachbarschaftsthema, kein Abtau-Geräusch. Wer nur 10–15 Jahre Horizont hat oder wenig Grundstück, fährt mit der Luft-WP wirtschaftlicher; wer Jahrzehnte bleibt, kauft mit der Bohrung Infrastruktur fürs Haus.
Lessons Learned aus dem Projekt
- Sanierung vor Wärmepumpe zahlt doppelt: Niedrigerer Wärmebedarf UND niedrigere Vorlauftemperatur — beides zusammen hob die JAZ in den 4,5er-Bereich. Im unsanierten Zustand wären eher 3,5–4,0 realistisch gewesen.
- Genehmigungszeit einplanen: Sechs Wochen Wasserbehörde plus Bohrfirmen-Vorlauf — wer im Herbst heizen will, startet im Winter/Frühjahr mit der Planung.
- Drei Heizkörper für 2.000 € waren der beste Effizienz-Invest: Vorlauf von 70 auf 50–55 °C gesenkt, geschätzt +0,4 bis +0,5 JAZ-Punkte — dauerhaft, wartungsfrei.
- WP-Tarif vor Inbetriebnahme aktivieren: Hier von Anfang an 22 ct statt ~33 ct Haushaltsstrom — bei 4.889 kWh gut 500 €/Jahr Unterschied.
- Pufferspeicher passend dimensionieren: 600 l Trennspeicher (rund 50 l je kW) verhindern Takten im Heizkörperbetrieb; „viel hilft viel" gilt hier nicht, jeder Liter kostet Speicherverluste.
Fazit: Erdwärme ist die Langstrecken-Entscheidung
Diese Fallstudie zeigt beides: Erdwärme funktioniert im sanierten Altbau hervorragend (JAZ 4,5, 1.390 €/Jahr Betrieb, 10 Jahre Amortisation gegen die Öl-Alternative) — und sie ist trotzdem nicht automatisch die wirtschaftlichste Wahl, weil der Förderdeckel die teure Bohrung nur teilweise auffängt. Die Entscheidung pro Erdsonde ist eine Entscheidung für Jahrzehnte: stabile Effizienz, kein Lärmthema, günstige zweite Gerätegeneration. Voraussetzungen sind Platz mit Bohrzufahrt, wasserrechtliche Machbarkeit und Geduld im Genehmigungsprozess. Wer diese drei Punkte für das eigene Grundstück klären will, bekommt mit einer unabhängigen Voranalyse (etwa dem FörderCheck360) eine belastbare Grundlage, bevor Planungskosten anfallen.
Häufige Fragen zur Erdwärme-Fallstudie
Lohnt sich Erdwärme nur im sanierten Haus?
Sie funktioniert auch unsaniert, aber mit Abstrichen: Statt JAZ 4,5 sind im unsanierten Altbau eher 3,5–4,0 realistisch, und die höhere Heizlast verlangt mehr Sondenmeter — die Bohrkosten steigen mit. Die Reihenfolge „erst Hülle und Heizflächen, dann Bohrung" verbessert beide Posten.
Wie lange halten Bohrung und Wärmepumpe?
Die Sonden (Kunststoffrohre, verpresst) sind auf 50+ Jahre ausgelegt und haben keine beweglichen Teile. Das Wärmepumpen-Gerät hält wie jede Heizung typisch 15–25 Jahre; beim Tausch bleibt die Quelle bestehen — der größte Kostenblock fällt kein zweites Mal an.
Kann die Anlage im Sommer kühlen?
Ja, per passiver Kühlung: Die kühle Sole wird ohne Verdichterbetrieb durch Flächenheizungen geführt. Das kostet als Zusatzausstattung je nach Hydraulik etwa 2.000–5.000 € und wurde in diesem Projekt (Heizkörper, Norddeutschland) nicht umgesetzt — mit Fußbodenheizung wäre es ein attraktives Extra.
Was, wenn die Sondenleistung später nicht reicht?
Eine korrekt ausgelegte Sonde (hier mit geologischem Gutachten) trägt die Anlage über ihre Lebensdauer. Nachträglich ließe sich eine weitere 100-m-Sonde für grob 11.000 € ergänzen — das ist aber ein Notfall-, kein Planungsszenario. Entscheidend ist die saubere Erstauslegung nach Entzugsleistung und Bodenprofil, nicht „so tief wie möglich".
Braucht die Bohrung immer eine Genehmigung?
Ja. Erdwärmesonden sind wasserrechtlich anzeige- bzw. erlaubnispflichtig (Untere Wasserbehörde); in Wasserschutzgebieten sind sie häufig unzulässig. Ab 100 m Tiefe kommt das Bergrecht dazu — deshalb werden viele Anlagen wie diese als mehrere Sonden knapp unter 100 m ausgeführt. Die Bohrfirma übernimmt die Anträge üblicherweise mit.
Stand: 9. Juli 2026. Anonymisierte, redaktionell aufbereitete Fallstudie; alle Förder- und Preisangaben ohne Gewähr, maßgeblich sind die offiziellen Programmbedingungen (KfW 458). Rechenannahmen: WP-Tarif 22 ct/kWh (Spanne 2026: 20–27 ct), Heizöl 1,10 €/l als Beispielwert.
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