Fallstudie: Familie Müller tauscht ihre Gasheizung gegen eine Wärmepumpe
Fallstudie: 140-m²-EFH von 1985 wechselt von Gas zur Wärmepumpe — 32.000 € Kosten, 16.500 € KfW-Zuschuss, gemessene JAZ 3,3. Alle Zahlen zum Nachrechnen.
Ein Einfamilienhaus von 1985, 140 m², der Gaskessel nach 24 Jahren am Ende: Diese Fallstudie dokumentiert einen kompletten Heizungstausch mit allen Zahlen — 32.000 € Investition, 16.500 € KfW-Zuschuss, gemessene Jahresarbeitszahl 3,3 und rund 1.120 € niedrigere Jahreskosten. Die Familie nennen wir hier Müller; das Beispiel ist anonymisiert und redaktionell aufbereitet, alle Rechenschritte sind nachvollziehbar dargestellt, damit Sie sie auf Ihr Haus übertragen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Haus: 140 m², Baujahr 1985, teilsaniert, Heizkörper — Gasverbrauch zuletzt 18.000 kWh/Jahr (2.640 € inkl. Wartung).
- Anlage: Luft-Wasser-Wärmepumpe 10 kW (R290-Monoblock), zwei Heizkörper vergrößert, hydraulischer Abgleich.
- Geld: 32.000 € brutto − 16.500 € KfW-458-Zuschuss (55 %) = 15.500 € Eigenanteil; gegenüber einer neuen Gasheizung (12.000 €) nur 3.500 € Mehrkosten.
- Ergebnis nach 12 Monaten: 4.880 kWh Strom, JAZ 3,3, Betriebskosten 1.520 €/Jahr → Amortisation der Mehrkosten in rund 3 Jahren.
- Wichtigstes Learning: Der WP-Stromtarif wurde zwei Monate zu spät aktiviert — rund 100 € verschenkt.
Das Haus und die Ausgangslage
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Gebäude | Einfamilienhaus, 140 m², Baujahr 1985, Nordrhein-Westfalen |
| Sanierungsstand | Dach gedämmt (2010), Fenster Obergeschoss erneuert (2008), Fassade original |
| Heizung alt | Gas-Brennwertkessel, 24 Jahre alt, wiederholte Störungen |
| Gasverbrauch (5-Jahres-Mittel) | 18.000 kWh/Jahr |
| Heizkosten alt | 18.000 × 0,13 € + 300 € Wartung/Schornsteinfeger = 2.640 €/Jahr |
| Heizflächen | Heizkörper, ausgelegt für 70 °C Vorlauf |
Der Heizungsbauer machte nach der dritten Störung klar, dass eine teure Reparatur den Kessel höchstens ein bis zwei Jahre retten würde. Damit stand die Familie vor der klassischen Ersatzentscheidung: neue Gasheizung für rund 12.000 € — oder Wärmepumpe.
Aus dem Gasverbrauch lässt sich der Wärmebedarf abschätzen: 18.000 kWh × ca. 0,88 Kesselnutzungsgrad ≈ 16.000 kWh Nutzwärme (Heizung + Warmwasser). Die spätere Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ergab 9 kW — beides passt zusammen (16.000 kWh ÷ 9 kW ≈ 1.780 Vollbenutzungsstunden, ein typischer Wert).
Drei Angebote, ein Favorit
Angebot A — örtlicher Heizungsbauer: Luft-Wasser-WP mit 12 kW, „damit es sicher reicht". 34.000 € brutto. Keine raumweise Heizlastberechnung.
Angebot B — Wärmepumpen-Fachbetrieb: Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 (Ergebnis 9 kW), daraus 10-kW-Gerät mit R290 (Propan), zwei zu kleine Heizkörper werden vergrößert, hydraulischer Abgleich nach Verfahren B, Heizkurven-Optimierungstermin nach drei Wochen inklusive. 32.000 € brutto.
Angebot C — Online-Plattform: 26.000–29.000 €, aber ohne verbindliche Zuständigkeit für Hydraulik und Feineinstellung vor Ort.
Die Familie wählte Angebot B — nicht trotz, sondern wegen der Rechenarbeit: Das kleinere, korrekt dimensionierte Gerät ist günstiger als Angebot A, taktet weniger und erreicht die bessere Jahresarbeitszahl. Aus Sachverständigensicht ist die belegte Heizlastberechnung das wichtigste einzelne Qualitätsmerkmal eines Angebots.
| Position (brutto) | Betrag |
|---|---|
| Außengerät 10 kW (R290-Monoblock) | 10.600 € |
| Inneneinheit + Warmwasserspeicher | 5.200 € |
| Regelung + Steuerung | 1.800 € |
| Montage + Hydraulik | 8.600 € |
| Zwei Heizkörper vergrößert | 2.200 € |
| Hydraulischer Abgleich (Verfahren B) | 1.500 € |
| Inbetriebnahme + Einweisung | 800 € |
| Demontage + Entsorgung Gaskessel | 1.300 € |
| Gesamt | 32.000 € |
Förderung: 55 Prozent über KfW 458
Die Förderbausteine im konkreten Fall (Programm „Heizungsförderung für Privatpersonen", KfW 458; Antrag 2024 zu den damals geltenden Konditionen):
- 30 % Grundförderung (Wärmepumpe, min. 65 % erneuerbare Energie — erfüllt)
- +20 % Klimageschwindigkeits-Bonus: selbstgenutztes Eigentum, Gasheizung älter als 20 Jahre
- +5 % Effizienz-Bonus: natürliches Kältemittel R290
- Einkommens-Bonus: nicht anwendbar (zu versteuerndes Haushaltseinkommen über 40.000 €)
Macht 55 % auf die förderfähigen Kosten. Die waren im Einfamilienhaus zum Antragszeitpunkt auf 30.000 € gedeckelt (für Neuanträge gelten mit der BEG-Reform, beschlossen 08.07.2026, gültig ab 21.07.2026, andere Konditionen: Klimageschwindigkeits-Bonus 16 % statt 20 %, Effizienz-Bonus entfallen, Deckel 28.000 €; endgültiger Richtlinientext ausstehend) — gefördert werden also nicht 55 % von 32.000 €, sondern von 30.000 €: Zuschuss 16.500 €, Eigenanteil 15.500 €.
Der Ablauf, richtig gemacht: Die Familie unterschrieb den Vertrag mit Angebot B mit aufschiebender Förderbedingung — so gilt der Vertragsschluss noch nicht als förderschädlicher Vorhabensbeginn. Der Fachbetrieb lieferte die „Bestätigung zum Antrag", der Antrag lief über das KfW-Portal „Meine KfW", die Zusage kam nach wenigen Tagen. Erst danach wurde der Einbautermin fixiert. Wer umgekehrt erst beauftragt und dann beantragt, verliert den kompletten Zuschuss.
Finanzierung: Den Eigenanteil finanzierte die Familie über den KfW-Ergänzungskredit (Programm 358, nur mit Zuschusszusage; zinsverbilligt bei Haushaltseinkommen bis 90.000 €). Bei 15.500 €, zehn Jahren Laufzeit und beispielhaft 3 % Effektivzins sind das rund 151 €/Monat. Fair gerechnet: Auch die Gasheizung hätte finanziert werden müssen (12.000 € ≈ 117 €/Monat zu gleichen Konditionen). Die echte Mehrbelastung lag also bei 34 €/Monat — bei rund 93 €/Monat Betriebskosten-Ersparnis war die Familie von Anfang an im Plus.
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Jetzt startenDer erste Winter: gemessene Werte
Der Einbau lief in fünf Arbeitstagen Anfang Oktober 2024 (Demontage, Fundament und Außengerät, Hydraulik, Elektrik, Inbetriebnahme mit Einweisung). Die Heizkurve wurde auf 40 °C Vorlauf bei Auslegungstemperatur voreingestellt und nach drei Wochen anhand der realen Raumtemperaturen nachjustiert. Die Stromwerte der vier Kernwintermonate:
Die vier Monate November bis Februar summieren sich auf 2.670 kWh — erfahrungsgemäß etwa 55 % eines Wärmepumpen-Jahresverbrauchs. Die Hochrechnung (2.670 ÷ 0,55 ≈ 4.850 kWh) traf fast exakt: Gemessen wurden nach zwölf Monaten 4.880 kWh. Wichtig für alle, die im Herbst starten: Der erste Monat wirkt immer erschreckend hoch — nach Jahren Gasabschlag ist eine 172-€-Stromrechnung im November ein Schockmoment, aber er ist das Winterprofil, kein Defekt.
Die JAZ-Messung: Der Wärmemengenzähler zeigte nach zwölf Monaten 16.100 kWh abgegebene Wärme, der Wärmepumpen-Stromzähler 4.880 kWh → JAZ = 16.100 ÷ 4.880 = 3,3 (inklusive Warmwasser und Heizstab; der Heizstab-Anteil lag bei rund 2 % — unauffällig). Prognostiziert waren 3,5 nach VDI 4650; eine Abweichung von 5–6 % nach unten im ersten Betriebsjahr ist normal und schrumpft oft nach der zweiten Heizkurven-Justierung.
Die Jahresbilanz: alt gegen neu
| Position | Gasheizung (vorher) | Wärmepumpe (Messjahr) |
|---|---|---|
| Energie | 18.000 kWh Gas × 0,13 € = 2.340 € | 4.880 kWh Strom × 0,25 € = 1.220 € |
| Wartung/Schornsteinfeger | 300 € | 200 € (Wartungsvertrag) |
| Reparaturrücklage | — (im Alter des Kessels: real höher) | 100 € |
| Jahreskosten | 2.640 € | 1.520 € |
Ersparnis: 1.120 €/Jahr. Darauf bauen zwei Amortisationsrechnungen auf — der Vergleichsmaßstab macht den Unterschied:
- Gegen die neue Gasheizung (der realistische Maßstab, denn der Kessel war fällig): Mehrkosten 15.500 − 12.000 = 3.500 € → 3.500 ÷ 1.120 = rund 3,1 Jahre.
- Gegen „einfach weiter so" (rechnerisch, hier gar nicht möglich): 15.500 ÷ 1.120 = rund 13,8 Jahre — diese Zahl wäre nur relevant gewesen, wenn der Kessel noch Jahre gehalten hätte.
Über 20 Jahre gerechnet (konstante Preise, ohne Finanzierungskosten): Wärmepumpe 15.500 + 20 × 1.520 = 45.900 €, Gasheizung 12.000 + 20 × 2.640 = 64.800 € — Vorteil rund 18.900 €, bei steigenden Gas-/CO2-Preisen entsprechend mehr. Der CO2-Ausstoß der Heizung hat sich mit dem aktuellen Strommix etwa halbiert, Tendenz weiter fallend.
Was gut lief — und was die Familie heute anders machen würde
Gut gelaufen:
- Korrekte Dimensionierung (10 statt 12 kW) dank Heizlastberechnung — weniger Takten, bessere JAZ, 2.000 € gespart.
- Heizkurven-Nachjustierung nach drei Wochen mit realen Messdaten; Vorlauf jetzt max. 42 °C statt voreingestellter 45 °C.
- Vertrag mit Förderbedingung — kein Förderrisiko durch verfrühten Vorhabensbeginn.
- Zwei Heizkörper konsequent getauscht statt die Vorlauftemperatur fürs ganze Haus anzuheben.
Lehrgeld gezahlt:
- Stromtarif zu spät gewechselt: November und Dezember liefen über den Haushaltstarif (33 ct). Mehrkosten: 1.220 kWh × 8 ct ≈ 100 €. Der WP-Tarif gehört vor die Inbetriebnahme.
- Geräuschthema unterschätzt: Das Außengerät (Schallleistung laut Datenblatt 58 dB(A)) war im ersten Frostmonat nachts hörbar. Die Aktivierung des geräuschreduzierten Nachtbetriebs löste das Problem ohne messbaren Effizienzverlust. Wer nahe Nachbarfenster hat, sollte Aufstellort und Nachtmodus vorab planen — nachts gelten je nach Gebietstyp 35–40 dB(A) Immissionsrichtwert (TA Lärm).
- Einweisung zu kurz: 30 Minuten reichen nicht. Ein zweiter Termin nach zwei Wochen (ca. 150 €) hätte viele Anrufe erspart.
- Ein drittes Zimmer blieb kühler als erhofft (Gästezimmer, alter Heizkörper Typ 11). Die Familie akzeptiert dort 19–20 °C; der Tausch ist für die nächste Renovierung eingeplant. Ein raumweiser Heizflächen-Check vor Vertragsschluss hätte das vorweggenommen.
Nächster Schritt: Eine PV-Anlage (5 kWp, Dach Süd-Ost) ist beauftragt. Realistische Erwartung: 25–35 % des WP-Stroms als Eigenverbrauch plus Haushaltsstrom-Deckung — ein Zusatzbaustein, keine Voraussetzung der Wirtschaftlichkeit.
Fazit: Ersatzfall plus Förderung schlägt jede Skepsis
Diese Fallstudie zeigt den Normalfall gelungener Wärmepumpen-Projekte: defekter Kessel (Differenzrechnung statt Vollkosten), saubere Heizlastberechnung, 55 % Förderung, gemessene JAZ 3,3 trotz Heizkörpern — und eine Amortisation der Mehrkosten in rund drei Jahren. Übertragbar sind vor allem die Methoden: Heizlast rechnen lassen, Angebot mit Optimierungstermin wählen, Vertrag mit Förderbedingung schließen, WP-Tarif vor Inbetriebnahme aktivieren und nach zwölf Monaten die JAZ aus Wärmemengen- und Stromzähler nachprüfen.
Häufige Fragen zur Fallstudie
Kann der Gasanschluss ganz gekündigt werden?
Ja — die Familie hat ihn zunächst nur stilllegen lassen und zahlt den Grundpreis weiter. Nach der endgültigen Abmeldung entfallen rund 100–150 €/Jahr Grundgebühr; dem stehen einmalige Stilllegungskosten des Netzbetreibers gegenüber. Wer sicher nicht mehr mit Gas kocht oder heizt, sollte kündigen — das verbessert die Jahresbilanz weiter.
Was passiert bei −10 °C — reicht die Wärmepumpe?
Ja. Das Gerät ist auf die Heizlast von 9 kW bei Normaußentemperatur ausgelegt; an den kältesten Tagen des Messjahres lief es durch und der integrierte Heizstab sprang nur kurzzeitig ein (Anteil ca. 2 % der Jahreswärme). Ein dauerhaft hoher Heizstab-Anteil wäre dagegen ein Planungs-Warnsignal.
Wie viel Wartung braucht die Anlage wirklich?
Ein Termin pro Jahr im Wartungsvertrag (200 €): Verdampfer reinigen, Kältekreis-Sichtprüfung, Heizungswasser und Parameter kontrollieren. Ein turnusmäßiger „Kältemittel-Wechsel" existiert nicht — der Kältekreis ist geschlossen; Nachfüllbedarf würde auf ein Leck hindeuten.
Lässt sich das Ergebnis auf andere Häuser übertragen?
Die Methode ja, die Zahlen bedingt. Entscheidend sind vier Fragen: Ist die alte Heizung ohnehin fällig (Differenzrechnung)? Liegt die prognostizierte JAZ über 3,0 — besser 3,3+? Greifen die Förderboni (Kesselalter, Selbstnutzung, ggf. Einkommen)? Und bleiben Sie mindestens 5 Jahre im Haus? Viermal Ja ergibt fast immer ein wirtschaftliches Projekt.
Stand: 9. Juli 2026. Anonymisierte, redaktionell aufbereitete Fallstudie; alle Förder- und Preisangaben ohne Gewähr, maßgeblich sind die offiziellen Programmbedingungen (KfW 458). Rechenbasis: WP-Tarif 25 ct/kWh, Haushaltsstrom 33 ct/kWh, Gas 13 ct/kWh inkl. CO2-Preis.
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