Bosch Wärmepumpe Fehlercodes: Alle Codes erklärt + Sofortmaßnahmen
Bosch-Compress-Fehlercodes (E100–E999) einordnen: Bedeutung, sichere Sofortmaßnahmen, Reset-Anleitung und wann der Fachbetrieb ranmuss.
„E100", „E110", „E200" — wenn das Display der Bosch-Wärmepumpe eine Fehlermeldung zeigt, entscheiden die nächsten Minuten oft über unnötige Kosten: Wer wild resettet oder Abdeckungen öffnet, macht es schlimmer; wer den Code richtig einordnet, löst viele Fälle selbst oder gibt dem Fachbetrieb die perfekte Vorlage. Dieser Leitfaden erklärt das Bosch-Codesystem, die häufig berichteten Codes mit sicheren Sofortmaßnahmen und die Reset-Anleitung — mit einem klaren Vorbehalt: Codes unterscheiden sich je nach Modell und Softwarestand; verbindlich ist das Handbuch Ihres Geräts.
Das Wichtigste in Kürze
- Bosch Compress nutzt E-Codes mit Nummernbereichen: niedrige Hunderter betreffen den Druck im Kältekreis (kritisch), höhere Bereiche Sensorik, Kommunikation und Zubehör.
- Sichere Selbsthilfe: Einstellungen und Sichtkontrolle, dann maximal ein Reset. Kehrt der Code zurück, übernimmt der Fachbetrieb.
- Kältekreis und Elektrik sind tabu: Kältemittelarbeiten nur durch Fachbetriebe mit Sachkunde-Zertifikat, Abdeckungen bleiben zu.
- Alle Code-Zuordnungen gelten laut Hersteller-Serviceunterlagen und Praxisberichten — je nach Compress-Modell weichen sie ab; maßgeblich ist das Gerätehandbuch.
- Kostenrahmen: Diagnose 150–250 €, Fühler ab 150 €, Kältemittel-Reparaturen ab 400 €, Verdichtertausch 3.000–6.000 €.
Das Codesystem: Was die Nummer verrät
Bosch-Compress-Geräte melden Störungen als E-Codes. Die Nummernbereiche geben eine erste Orientierung, wie ernst die Lage ist:
| Code-Bereich | Themenfeld laut Serviceunterlagen | Dringlichkeit |
|---|---|---|
| E100–E199 | Hochdruck im Kältekreis (Verdichter, Druckwächter) | hoch |
| E200–E299 | Sensor- und Messfehler | mittel |
| E300–E399 | Kommunikation und Regelung | mittel |
| E400–E499 | Externe Komponenten (Pumpen, Zirkulation) | mittel |
| E600–E699 | Wärmequelle (Erdsonde, Außenluft) | mittel |
| E700–E799 | Sicherheits- und Überlastabschaltungen | hoch |
| E800–E999 | Konfiguration, Hinweise, Sonstiges | niedrig |
Die Bereichslogik und einzelne Codes variieren zwischen Modellreihen (u. a. Compress 3000, 5800/6800i, 7000i/7800i) und Softwareständen. Verbindlich ist ausschließlich die Betriebs- bzw. Serviceanleitung Ihres Geräts.
Bevor Sie handeln: die sichere Reset-Routine
Ein Teil der Meldungen sind sporadische Aussetzer (kurze Spannungsschwankung, einmaliger Sensor-Ausreißer), die ein kontrollierter Neustart behebt. Damit aus dem Reset kein Risiko wird, gilt die Routine:
Alternativ lassen sich Störungen bei vielen Modellen über die Bosch-App oder das Gerätedisplay quittieren (Menü Service → Fehlerquittierung). Zwei Regeln bleiben immer gleich: Erst dokumentieren, dann quittieren — und ein Code, der zurückkehrt, wird nicht erneut weggedrückt, sondern gemeldet. Vom „Hard Reset" auf Werkseinstellungen lassen Sie die Finger: Er löscht Heizkurve, Sollwerte und die gesamte Einstellung des Installateurs.
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Wichtiger Hinweis zu allen Code-Angaben: Die folgenden Zuordnungen beruhen auf Hersteller-Serviceunterlagen und Praxisberichten. Bedeutung und Nummerierung unterscheiden sich je nach Compress-Modell und Software. Verbindlich ist ausschließlich das Gerätehandbuch bzw. die Serviceanleitung Ihres Geräts.
E100: Hochdruck-Störung
Der Druck im Kältekreis hat den Sicherheitsgrenzwert überschritten, der Hochdruckwächter hat abgeschaltet. Der Klassiker dahinter ist kein Kältekreis-Defekt, sondern mangelnde Wärmeabnahme: Die erzeugte Wärme wird nicht abtransportiert — etwa weil der Volumenstrom im Heizkreis zu gering ist (Pumpe, geschlossene Ventile, Luft im Heizungswasser), der Verflüssiger verkalkt ist oder die Solltemperaturen zu hoch stehen. Seltener: zu viel Kältemittel nach einem Service oder ein defekter Fühler, der die Regelung in die Irre führt.
Sichere Sofortmaßnahmen: Heizungsdruck am Manometer ablesen (Sollbereich laut Anlagendokumentation, im EFH meist 1,0–2,0 bar), Thermostatventile in mehreren Räumen öffnen, Warmwasser- und Heizungs-Sollwerte auf Plausibilität prüfen, dann ein Reset. Nicht selbst versuchen: Verflüssiger spülen oder entkalken — der sitzt im geschlossenen Hydraulikkreis und gehört dem Fachbetrieb. Kommt E100 wieder, Termin vereinbaren; ein dauerhaft anstehender Hochdruckfehler ist ein Verschleißtreiber für den Verdichter.
E110: Niederdruck-Störung
Der Druck auf der Verdampferseite ist zu niedrig — die Wärmepumpe bekommt zu wenig Energie aus der Quelle. Bei Luft/Wasser-Geräten im Winter oft ein stark vereister Verdampfer (Abtauproblem), bei Sole-Geräten eine stehende Solepumpe oder zu wenig Durchfluss; die ernste Variante ist ein Kältemittelverlust durch Leckage.
Sichere Sofortmaßnahmen: Außengerät ansehen — massive Eispanzer sind ein Alarmzeichen (Eis niemals mechanisch entfernen; manuelle Abtauung übers Menü starten, falls vorhanden). Bei Sole-Anlagen: Läuft die Solepumpe hörbar, stimmt der Soledruck laut Anlagendokumentation? Danach ein Reset. Fachbetrieb nötig, wenn der Fehler wiederkehrt, die Abtauung nicht durchläuft oder ein Leck im Raum steht — Druckmessungen am Kältekreis kann und darf nur der Profi vornehmen.
E120: Frostschutz-Störung
Die Temperatur in der Wärmequelle ist unter die Schutzgrenze gefallen. Bei Sole-Anlagen ist die häufigste Ursache eine zu geringe Frostschutzkonzentration (Glykolanteil) oder ein zu geringer Soledurchfluss; bei extremer Kälte kann auch eine korrekt gebaute Anlage an ihre Einsatzgrenze kommen. Die Schutzabschaltung verhindert das Einfrieren des Verdampfer-Wärmetauschers — ein Frostschaden dort ist einer der teuersten Einzeldefekte überhaupt.
Sichere Sofortmaßnahmen: Bei Sole-Anlagen Soledruck und Pumpenlauf prüfen; die Frostschutzkonzentration (typisch etwa −13 bis −18 °C Frostsicherheit, maßgeblich ist die Herstellervorgabe) misst der Fachbetrieb mit dem Refraktometer. Als Orientierung für Gespräche mit dem Techniker: Sole-Eintrittstemperaturen liegen im Winter typisch zwischen 0 und +8 °C; sinken sie dauerhaft deutlich unter −5 °C, ist die Quelle überlastet oder unterdimensioniert. Fachbetrieb: Sole prüfen/auffüllen (300–600 €), Solepumpe tauschen (500–1.200 €).
E200er: Sensor- und Messfehler
Ein Temperaturfühler liefert unplausible Werte oder gar keine. Die Untercodes benennen laut Serviceunterlagen den Ort — etwa E201–E203 für Fühler an Verdampfer und Verflüssiger, E204 Außenfühler, E205 Quellenfühler. Ursachen: Fühlerdrift, lockere Steckkontakte, Kabelschäden (Marder!), Feuchtigkeit.
Sichere Sofortmaßnahmen: Untercode exakt notieren, ein Reset. Mehr nicht — Fühler sitzen hinter Abdeckungen oder in Tauchhülsen; Prüfung und Tausch (150–350 € je Fühler) sind Fachbetriebs-Sache. Wichtig: Läuft die Anlage trotz Sensorcode weiter, tut sie das oft mit Ersatzwerten oder Heizstab — das funktioniert, kostet aber Effizienz. Termin in den nächsten Tagen, nicht in Monaten.
E300er: Kommunikationsfehler
Regler, Bedieneinheit oder Innen-/Außeneinheit verlieren die Verbindung. Häufig stecken Kontaktprobleme, beschädigte Busleitungen oder Feuchtigkeit dahinter, selten die Platine selbst.
Sichere Sofortmaßnahmen: Ein Reset — mehr gibt es hier für Laien nicht zu tun, denn die Steckverbindungen liegen hinter den Elektro-Abdeckungen, und die bleiben zu (230/400 V). Hilft der Reset nicht: Fachbetrieb. Kostenrahmen: Kabel/Kontakte 100–300 €, Platinentausch 500–1.500 €.
E400er: Externe Komponenten (Pumpen, Speicher)
Diese Codes melden Probleme außerhalb des Kältekreises — laut Serviceunterlagen z. B. E401 Heizungs-Umwälzpumpe, E402 Quellenpumpe (Sole/Wasser), E403 Druckwächter, E404 Speichertemperatur. Typisches Bild: Die Wärmepumpe läuft, aber die Wärme kommt nicht an.
Sichere Sofortmaßnahmen: Hörprobe an der betroffenen Pumpe (läuft sie? blinkt eine Status-LED?), Heizungsdruck ablesen, Absperrhähne kontrollieren, ein Reset. Steht die Pumpe still oder meldet der Druckwächter dauerhaft: Fachbetrieb (Pumpentausch 400–800 €, Wächter/Ventil 200–500 €).
E600er: Wärmequellen-Fehler
Die Anlage bekommt dauerhaft zu wenig Energie aus Erdsonde oder Außenluft. Bei Sole-Anlagen reicht das Spektrum von blockierter Zirkulation über Luft im Solekreis bis zum Auslegungsproblem: Eine zu knapp dimensionierte Sonde kühlt über den Winter (und über die Jahre) immer weiter aus — erkennbar an stetig sinkenden Soletemperaturen. Bei Luft-Geräten: blockierte Luftwege, verschmutzte Verdampferlamellen, Ventilatorfehler.
Sichere Sofortmaßnahmen: Luftwege am Außengerät freiräumen (Laub, Schnee, Abstände), Lamellen nur sichten — Reinigung gehört zur Wartung. Bei Sole: Druck und Pumpenlauf prüfen. Alles Weitere ist Diagnosearbeit des Fachbetriebs; eine Sondenspülung kostet 400–800 €, eine zusätzliche Bohrung als letzte Konsequenz ab etwa 5.000–10.000 €.
Wann der Fachbetrieb ranmuss: die Dringlichkeits-Logik
Sicherheit: Kältekreis und Elektrik sind Profi-Territorium
So hilfreich Selbstdiagnose ist — zwei Grenzen gelten absolut:
- Kältekreis: Lecksuche, Druckmessung, Kältemittel absaugen oder nachfüllen und der Tausch von Kältekreis-Bauteilen dürfen ausschließlich Fachbetriebe mit Sachkunde-Zertifikat ausführen (Chemikalien-Klimaschutzverordnung bzw. EU-Verordnung 2015/2067). Bei Propan-Geräten (R290) kommt die Brennbarkeit des Kältemittels hinzu (Sicherheitsklasse A3). Und: Nachfüllen ohne Leckbehebung ist keine Reparatur — die F-Gase-Verordnung verlangt, dass Leckagen erst gefunden und beseitigt werden.
- Elektrik: Alles hinter Abdeckungen und im Schaltkasten gehört der Elektrofachkraft. Löst der FI-Schutzschalter wiederholt aus, deutet das auf einen Isolationsfehler — nicht erneut einschalten, sondern Fachbetrieb bzw. Elektriker rufen.
Was Reparaturen kosten: Richtwerte
| Reparatur | Richtpreis (inkl. Anfahrt) |
|---|---|
| Diagnose-/Service-Einsatz | 150–250 € |
| Temperaturfühler tauschen (E200er) | 150–350 € |
| Kabel-/Steckverbindung instand setzen (E300er) | 100–300 € |
| Umwälz-/Solepumpe tauschen (E400er) | 400–1.200 € |
| Druckwächter/Ventil tauschen | 200–500 € |
| Leck suchen und abdichten (zzgl. Kältemittel) | 400–800 € |
| Kältemittel ersetzen (nach Leckbehebung) | 200–400 € |
| Sole prüfen und auffüllen | 300–600 € |
| Regler-Platine tauschen | 500–1.500 € |
| Verdichter tauschen | 3.000–6.000 € |
Richtwerte für Einfamilienhaus-Anlagen, regional unterschiedlich. Die Logik dahinter: Früh gemeldete Fühler- und Pumpenprobleme kosten dreistellig — der Verdichterschaden, der aus einem monatelang quittierten Hochdruckfehler werden kann, kostet vierstellig.
Checkliste: So melden Sie den Fehler richtig
- Fehlercode exakt notiert (inklusive Untercode) und Display fotografiert?
- Zeitpunkt, Außentemperatur und Betriebszustand (Heizen/Warmwasser/Abtauen) festgehalten?
- Aufgefallen: Geräusche, Gerüche, Leckagen, Eis am Außengerät?
- Heizungsdruck am Manometer abgelesen?
- Genau ein Reset versucht — und das Ergebnis notiert?
- Modellbezeichnung und Seriennummer vom Typenschild bereit?
- Letzte Wartung und letzte Arbeiten an der Anlage bekannt?
Mit diesen Angaben kann der Servicetechniker das passende Ersatzteil oft direkt zur ersten Anfahrt mitbringen — das spart den zweiten Einsatz und damit gutes Geld.
Fazit: Einordnen statt wegdrücken
Bosch-Fehlercodes sind kein Grund zur Panik, aber auch kein Deko-Element: Der Nummernbereich verrät die Baustelle, die sichere Routine (dokumentieren, einordnen, maximal ein Reset) trennt harmlose Aussetzer von echten Defekten. Die Grenzen der Selbsthilfe sind klar gezogen — Kältekreis und Elektrik gehören ausnahmslos in Profi-Hände. Und weil Bosch die Codes je nach Modell und Software unterschiedlich belegt, gilt für jede Tabelle dieses Artikels: Sie ist Orientierung nach Serviceunterlagen und Praxis — das letzte Wort hat das Handbuch Ihres Geräts.
Häufige Fragen zu Bosch-Fehlercodes
Muss ich die Wärmepumpe sofort abschalten, wenn ein Code erscheint?
In der Regel nicht — die Anlage schaltet sicherheitsrelevante Bereiche selbst ab und läuft oft im Notbetrieb weiter. Ausnahmen, bei denen Sie sofort stromlos schalten und den Fachbetrieb rufen: Qualm oder Schmorgeruch, sichtbare Leckagen, wiederholt auslösender FI-Schalter.
Der Code kam nur einmal und ist nach dem Reset weg. Erledigt?
Fast. Notieren Sie Code, Datum und Umstände und geben Sie die Notiz bei der nächsten Wartung weiter. Einmalige Aussetzer sind meist harmlos — aber ein wiederkehrendes Muster (derselbe Code alle paar Wochen) ist ein Frühwarnsignal, das der Techniker kennen sollte.
Kostet der Technikerbesuch auch dann, wenn nur ein Reset nötig war?
Ja, üblich sind 150–250 € Mindestpauschale. Genau deshalb lohnt die sichere Reset-Routine vor dem Anruf — und die vollständige Dokumentation, damit der Einsatz beim ersten Termin zum Ergebnis führt.
Die Anlage zeigt E100, läuft aber weiter. Ist das in Ordnung?
Nein, das gehört geprüft. Ein Hochdruckcode bei laufender Anlage spricht für ein Regelungs- oder Wächterproblem — beides Fälle für den Fachbetrieb. Dauerhaft anstehende Druckfehler sind Gift für den Verdichter, das teuerste Bauteil der Anlage.
Wo finde ich die vollständige Code-Liste für mein Gerät?
In der Betriebsanleitung Ihres Modells (Kapitel Störungen/Fehlerbehebung) und in der Service-Dokumentation, die Ihr Fachbetrieb bzw. der Bosch-Werkskundendienst hat. Online kursierende Listen mischen oft Modellgenerationen — verlassen Sie sich auf die Unterlagen zu Ihrer Seriennummer.
Stand: 3. Juli 2026. Alle Preisangaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Code-Zuordnungen laut Hersteller-Serviceunterlagen und Praxisberichten — verbindlich sind Gerätehandbuch und Serviceanleitung des jeweiligen Modells.
Abnahme dokumentieren
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