Wärmepumpe vs. Infrarotheizung: Ein echtes Duell? Die Wahrheit
Wärmepumpe oder Infrarotheizung? Physik ehrlich gerechnet: JAZ 3,5 vs. 1,0, Jahreskosten, Amortisation — und die Nischen, in denen Infrarot wirklich passt.
Infrarotheizungen werden gern als „günstige Alternative zur Wärmepumpe" beworben: kaum Anschaffungskosten, keine Fachinstallation, sofort warm. Die Physik dahinter ist trotzdem unbestechlich: Eine Infrarotheizung macht aus 1 kWh Strom exakt 1 kWh Wärme — eine Wärmepumpe holt aus derselben Kilowattstunde 3 bis 4,5 kWh. Als Vollheizung eines normalen Wohnhauses verliert Infrarot deshalb jeden Kostenvergleich deutlich. Es gibt aber eine ehrliche Nische, in der die Panels tatsächlich die vernünftigere Wahl sind. Dieser Artikel rechnet beides sauber durch.
Das Wichtigste in Kürze
- Physik: Infrarot arbeitet mit „Arbeitszahl" 1,0 (Direktstrom), eine Wärmepumpe mit JAZ 3,0–4,5. Mehr als 1,0 ist bei Direktheizungen physikalisch unmöglich.
- Wärmepreis: Mit Haushaltsstrom (32 ct/kWh) kostet Infrarot-Wärme rund 32 ct/kWh — Wärmepumpen-Wärme mit WP-Tarif (25 ct) und JAZ 3,5 nur etwa 7 ct/kWh.
- Beispielhaus 120 m²: Über 20 Jahre spart die Wärmepumpe trotz deutlich höherer Anschaffung rund 60.000 € gegenüber einer Infrarot-Vollheizung.
- Die ehrliche Nische: Selten genutzte Einzelräume und sehr kleine, sehr gut gedämmte Objekte mit einem Restwärmebedarf unter etwa 3.000–4.000 kWh/Jahr.
- Förderung: Wärmepumpen erhalten über KfW 458 bis zu 80 % Zuschuss (BEG-Reform, gültig ab 21.07.2026) — Infrarot-Direktheizungen gehen leer aus.
Zwei Prinzipien, ein Faktor 3,5
Eine Infrarotheizung ist ein elektrischer Widerstand mit großer, warmer Oberfläche. Sie wandelt Strom vollständig in Wärme um und gibt einen hohen Anteil davon als Strahlung ab, die Wände, Möbel und Personen direkt erwärmt. Wirkungsgrad: 100 Prozent — nicht mehr und nicht weniger. Jede „Effizienztechnologie", die Anbieter dazuerzählen (Keramikflächen, „Niedertemperatur-Strahlung"), ändert an dieser Bilanz nichts.
Eine Wärmepumpe nutzt denselben Strom nicht zum Heizen, sondern zum Pumpen: Ein Kältekreis entzieht der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser Umweltwärme und hebt sie per Verdichter auf Heiztemperatur. Aus 1 kWh Strom plus 2,5 kWh kostenloser Umweltwärme werden so 3,5 kWh Heizwärme. Die reale Effizienz beschreibt die Jahresarbeitszahl (JAZ): bei Luft-Wasser-Anlagen im Bestand realistisch 3,0–4,0, bei Erdwärme 4,0–5,0 (Details im Artikel JAZ, COP und SCOP erklärt).
Dieser Faktor 3 bis 4,5 ist der ganze Vergleich in einer Zahl. Er lässt sich weder wegwerben noch wegdämmen — er bestimmt bei jedem Strompreis das Verhältnis der Betriebskosten.
Was kostet die Kilowattstunde Wärme?
Entscheidend ist der Preis der nutzbaren Wärme, nicht der Strompreis allein. Infrarot-Vollheizungen laufen meist über den normalen Haushaltstarif (2026: ca. 30–36 ct/kWh); Wärmepumpen nutzen spezielle WP-Tarife (ca. 20–27 ct/kWh, Basiswert hier: 25 ct).
| Heizsystem | Tarif | Arbeitszahl | Wärmepreis |
|---|---|---|---|
| Infrarotheizung | Haushaltsstrom 32 ct | 1,0 | 32,0 ct/kWh |
| Infrarotheizung | Heizstromtarif 25 ct | 1,0 | 25,0 ct/kWh |
| Wärmepumpe (Luft) | WP-Tarif 25 ct | 3,0 | 8,3 ct/kWh |
| Wärmepumpe (Luft) | WP-Tarif 25 ct | 3,5 | 7,1 ct/kWh |
| Wärmepumpe (Luft, gut geplant) | WP-Tarif 25 ct | 4,0 | 6,3 ct/kWh |
Zum Einordnen: Erdgas kostet Haushaltskunden 2026 etwa 12–13 ct/kWh. Infrarot-Wärme ist also nicht nur teurer als Wärmepumpen-Wärme, sondern auch rund zweieinhalbmal so teuer wie Gaswärme.
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Jetzt startenPraxisbeispiel: 120-m²-Haus über 20 Jahre gerechnet
Modellszenario: Einfamilienhaus, 120 m², teilsaniert, Wärmebedarf 16.000 kWh/Jahr inklusive Warmwasser, Heizlast rund 8 kW.
Anschaffung Infrarot-Vollheizung: Für 8 kW Heizlast braucht das Haus 10 bis 14 Panels (je 600–900 W) plus Elektroarbeiten (eigene Stromkreise, ggf. Verteilerausbau) und eine elektrische Warmwasserlösung. Realistisch: 5.000–8.000 € — deutlich mehr als die oft beworbenen „vier Panels für 1.200 €", mit denen sich kein Haus beheizen lässt.
Anschaffung Wärmepumpe: Luft-Wasser-Anlage komplett installiert 18.000–30.000 €; im Beispiel 27.000 €. Nach 30 % Grundförderung (KfW 458) bleiben 18.900 € Eigenanteil; mit Klimageschwindigkeits-Bonus (Austausch einer alten Öl- oder Gasheizung, insgesamt 50 %) wären es 13.500 €.
Betriebskosten pro Jahr:
| Posten | Infrarot | Wärmepumpe (JAZ 3,5) |
|---|---|---|
| Strombedarf | 16.000 kWh | 16.000 ÷ 3,5 = 4.571 kWh |
| Stromtarif | 32 ct/kWh | 25 ct/kWh (WP-Tarif) |
| Stromkosten/Jahr | 5.120 € | 1.143 € |
| Wartung/Jahr | ≈ 0 € | ca. 200 € |
| Betriebskosten gesamt | 5.120 €/Jahr | 1.343 €/Jahr |
20-Jahres-Bilanz (statisch, ohne Strompreissteigerung):
| Posten | Infrarot | Wärmepumpe |
|---|---|---|
| Anschaffung (WP: nach 30 % Förderung) | 6.000 € | 18.900 € |
| Strom, 20 Jahre | 102.400 € | 22.860 € |
| Wartung, 20 Jahre | 0 € | 4.000 € |
| Gesamtkosten 20 Jahre | 108.400 € | 45.760 € |
Die Mehrinvestition der Wärmepumpe (12.900 € gegenüber Infrarot) ist bei jährlich rund 3.780 € niedrigeren Betriebskosten nach etwa 3,4 Jahren wieder eingespielt. Danach spart das Haus jedes Jahr fast 3.800 € — über 20 Jahre summiert sich der Vorteil auf rund 62.600 €. Selbst wenn die Wärmepumpe nur JAZ 3,0 erreicht und Infrarot einen günstigen Heizstromtarif bekommt, bleibt ein jährlicher Vorteil von über 2.500 €.
Die ehrliche Nische: Wo Infrarot wirklich passt
So klar der Vollheizungs-Vergleich ausgeht, so unfair wäre es, Infrarotheizungen pauschal abzuschreiben. Ihre Stärke liegt dort, wo wenig Wärme gebraucht wird — denn dann zählt die niedrige Anschaffung mehr als der hohe Wärmepreis.
Rechenbeispiel Gästezimmer: 15 m², ein 800-W-Panel für 400–600 € inklusive Montage, 300 Betriebsstunden im Jahr. Stromkosten: 240 kWh × 32 ct = 77 €/Jahr. Keine Wärmepumpe, keine Rohrleitung und kein Heizkörpertausch amortisiert sich gegen 77 € Jahreskosten.
Die Grenze lässt sich beziffern: Je kleiner der Jahreswärmebedarf, desto länger braucht die Wärmepumpen-Mehrinvestition, um sich zu rechnen.
Unterhalb von etwa 3.000–4.000 kWh Jahreswärmebedarf amortisiert sich die Wärmepumpe innerhalb ihrer Nutzungsdauer kaum noch. Genau das sind die legitimen Infrarot-Fälle:
- Selten genutzte Einzelräume: Gästezimmer, Hobbyraum, Werkstatt, das Bad als Zusatz-Komfortheizung.
- Sehr gut gedämmte Kleinobjekte: Tiny Houses und Passivhaus-nahe Apartments, deren Restheizlast winzig ist.
- Wochenend- und Ferienhäuser: sporadische Nutzung, schnelle Aufheizung, keine frostempfindliche Hydraulik.
- Übergangs- und Notlösungen: Bauphasen, einzelne chronisch unterversorgte Räume (wobei hier meist ein hydraulischer Abgleich die bessere Antwort ist).
Strahlungswärme: Was dran ist — und was nicht
Infrarot-Anbieter argumentieren gern mit „effizienterer Strahlungswärme". Der wahre Kern: Strahlung erwärmt Oberflächen und Personen direkt. Dadurch empfinden viele Menschen einen Raum schon bei 1–2 °C niedrigerer Lufttemperatur als behaglich, und trockenere Wandoberflächen sind ein echter Nebeneffekt. Da jedes Grad weniger Raumtemperatur grob 6 % Heizenergie spart, sind in günstigen Fällen 5–10 % Einsparung gegenüber einer rein konvektiven Elektroheizung drin.
Nur: Diese 5–10 % stehen gegen einen Effizienzfaktor von 250–350 % zugunsten der Wärmepumpe. In einem dauerhaft beheizten Gebäude gilt die Energieerhaltung — die zugeführte Wärme muss die Verluste der Hülle decken, egal ob sie per Strahlung oder Konvektion ankommt. Strahlungswärme ist ein Komfortargument und ein kleiner Sparhebel, aber kein Effizienzwunder. Übrigens arbeitet auch eine Fußbodenheizung (der Standard-Wärmeverteiler für Wärmepumpen) zu einem großen Teil mit Strahlungswärme.
GEG und Förderung: Zwei ungleiche Startplätze
GEG: Stromdirektheizungen sind als Erfüllungsoption der 65-%-EE-Pflicht grundsätzlich zugelassen (§ 71d GEG) — allerdings beim Einbau als Hauptheizung an erhöhte Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz geknüpft. Der Gesetzgeber erlaubt Direktstrom also genau dort, wo der Verbrauch systembedingt klein bleibt: in sehr gut gedämmten Gebäuden. Das deckt sich mit der wirtschaftlichen Nische. Hinweis: Das Heizungsrecht wird derzeit reformiert; nach dem Entwurf des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GModG) soll die 65-%-Regel durch eine freie Wahl unter mehreren Heizungsoptionen ersetzt werden — bis zum Inkrafttreten gilt das GEG 2024 unverändert (Stand: 9. Juli 2026).
Förderung: Für Wärmepumpen zahlt die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) 30 % Grundförderung, mit Boni bis zu 80 % auf maximal 28.000 € förderfähige Kosten im Einfamilienhaus. Infrarot- und andere Direktheizungen sind nicht förderfähig. Die Förderung vergrößert den ohnehin klaren Betriebskostenvorteil der Wärmepumpe also noch auf der Investitionsseite.
Hybrid: Wärmepumpe als Basis, Infrarot als Ergänzung?
Eine sinnvolle Kombination gibt es: die Wärmepumpe als Vollheizung plus ein einzelnes Panel dort, wo kurzzeitig Zusatzwärme gewünscht ist — klassisch im Bad. Nicht sinnvoll ist es, mit Infrarot-Panels dauerhaft Räume zu stützen, die die Zentralheizung eigentlich versorgen müsste: Das kaschiert Planungsfehler (zu kleine Heizkörper, fehlender hydraulischer Abgleich) zum dreieinhalbfachen Wärmepreis. Wer einzelne kalte Räume hat, lässt zuerst Heizlast und Hydraulik prüfen.
Fazit: Kein Duell — eine klare Arbeitsteilung
Wärmepumpe und Infrarotheizung konkurrieren nicht wirklich, sie bedienen verschiedene Aufgaben. Als Vollheizung eines Wohnhauses ist die Wärmepumpe wirtschaftlich und ökologisch ohne ernsthafte Konkurrenz: Faktor 3–4,5 bei der Effizienz, bis zu 80 % Investitionsförderung, im Beispielhaus rund 60.000 € Vorteil über 20 Jahre. Infrarot spielt seine Stärken dort aus, wo Wärmebedarf und Nutzungszeit klein sind — im selten genutzten Einzelraum, im Tiny House, im Ferienhaus. Misstrauen ist angebracht, wenn Ihnen jemand Infrarot-Panels als vollwertigen Heizungsersatz für ein normales Wohnhaus anbietet: Diese Rechnung geht bei deutschen Strompreisen nicht auf.
Häufige Fragen zu Wärmepumpe vs. Infrarotheizung
Ist eine Infrarotheizung nicht zu 100 % effizient?
Als Wandler von Strom in Wärme: ja, 100 %. Aber das ist die falsche Messlatte. Eine Wärmepumpe erreicht bezogen auf den Stromeinsatz 300–450 %, weil sie zusätzlich kostenlose Umweltwärme erschließt. Die 100 % der Infrarotheizung sind das physikalische Maximum der Direktheizung — und gleichzeitig nur ein Drittel dessen, was eine Wärmepumpe aus derselben Kilowattstunde macht.
Kann ich ein ganzes Haus mit Infrarot heizen, wenn ich eine PV-Anlage habe?
Nur sehr begrenzt. Die Heizsaison fällt genau in die ertragsschwachen Monate: Im Dezember und Januar liefert eine PV-Anlage oft nur ein Fünftel bis ein Zehntel der sommerlichen Monatserträge. Der größte Teil des Infrarot-Stroms käme daher im Winter aus dem Netz — zum vollen Tarif. Eine Wärmepumpe profitiert von derselben PV-Anlage stärker, weil sie pro kWh Strom das 3,5-Fache an Wärme erzeugt.
Bekommt eine Infrarotheizung Förderung?
Nein. Die Heizungsförderung (KfW 458) fördert Wärmeerzeuger auf Basis erneuerbarer Energien wie Wärmepumpen mit 30–80 % Zuschuss. Strom-Direktheizungen — dazu zählen Infrarot-Panels — sind nicht förderfähig.
Ist Infrarot wenigstens klimafreundlich?
Nur bedingt. Beim aktuellen deutschen Strommix verursacht eine Infrarot-Vollheizung pro kWh Wärme rund das 3,5-Fache der CO₂-Emissionen einer Wärmepumpe — und liegt damit sogar über einer Gasheizung. Mit steigendem Ökostromanteil verbessert sich die Bilanz beider Systeme, aber der Faktor zwischen ihnen bleibt.
Taugen Infrarot-Panels als Backup für die Wärmepumpe?
Technisch ja, nötig ist das aber selten: Wärmepumpen werden auf die Normaußentemperatur ausgelegt und bringen einen integrierten Heizstab für Extremfälle mit. Ein zusätzliches Panel ergibt höchstens als Komfortwärme im Bad Sinn — nicht als sicherheitshalber gekaufte Zweitheizung.
Stand: 3. Juli 2026. Alle Förder- und Preisangaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die offiziellen Programmbedingungen.
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