Der jährliche WP-Check: Was Sie selbst prüfen können
12-Punkte-Selbstcheck für die Wärmepumpe: Außeneinheit, Anlagendruck 1–2 bar, Heizkurve und Fehlerspeicher richtig prüfen.
Einmal im Jahr lohnt ein prüfender Blick auf die eigene Wärmepumpe – in etwa 30 bis 45 Minuten, ohne Werkzeug und ohne Kosten. Er ersetzt die Fachwartung nicht, aber er hilft, kleine Probleme früh zu erkennen, bevor sie teuer werden. Der wichtigste Handgriff dabei wird oft vergessen: der Blick auf den Anlagendruck des Heizungswassers, der bei kalter Anlage zwischen etwa 1 und 2 bar liegen sollte.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Selbstcheck ist eine Sichtkontrolle – am Kältekreis (Kältemittel-Drücke) hat niemand ohne Ausbildung etwas zu suchen.
- Zentraler DIY-Wert: der Anlagendruck am Manometer, 1–2 bar bei kalter Anlage; unter etwa 1 bar nachfüllen (lassen).
- Verdampfer der Außeneinheit freihalten, Kondensatablauf kontrollieren, Schmutzfänger im Heizkreis im Blick behalten.
- Betriebsstunden und Jahres-Stromverbrauch notieren – ein Anstieg über etwa 20 % ohne Wetterursache ist ein Warnsignal.
- Fehlerspeicher durchsehen, Auffälligkeiten notieren und beim nächsten Fachtermin zeigen.
So ist dieser Check gemeint
Alle folgenden Punkte sind reine Sicht- und Ablesekontrollen. Sie öffnen nichts, Sie schrauben nichts am Kältekreis. Zeigt Ihre Regelung Kältemittel-Drücke (Hoch- und Niederdruck) an, dürfen Sie sie notieren – bewerten und einstellen kann sie nur der Fachbetrieb. Was Sie selbst sinnvoll prüfen, sind der Zustand der Außeneinheit, der Wasserdruck, die Temperaturen, der Verbrauch und der Fehlerspeicher.
Die 12 Punkte des Selbstchecks
1. Außeneinheit und Verdampfer. Ist die Vorderseite frei? Schnee und Eis vorsichtig mit der Hand oder einem Kunststoffschaber entfernen – nie mit heißem Wasser oder Hochdruckreiniger. Verschmutzte Verdampfer-Lamellen (Laub, Pollen, Staub) mindern den Wärmeübergang; behutsam mit weichem Tuch säubern. Rundherum sollte mindestens rund ein Meter Abstand frei sein.
2. Kondensatablauf. Unter der Außeneinheit entsteht besonders beim Abtauen Kondenswasser. Der Ablauf muss frei sein und darf nicht zufrieren – eine vereiste Pfütze unter dem Gerät ist ein Hinweis auf einen blockierten Ablauf.
3. Anlagendruck (Heizungswasser). Das ist der wichtigste Selbst-Check. Am Manometer der Anlage sollte der Druck bei kaltem Heizungswasser zwischen 1 und 2 bar liegen. Fällt er unter etwa 1 bar, muss Wasser nachgefüllt werden; das übernimmt bei Unsicherheit der Fachbetrieb. Ein ständig fallender Druck deutet auf eine Undichtigkeit oder ein defektes Ausdehnungsgefäß hin.
4. Vorlauf- und Rücklauftemperatur. In der Regelung anzeigen lassen. Bei etwa 5 °C Außentemperatur liegt der Vorlauf je nach Heizsystem grob bei 30 bis 40 °C (Fußbodenheizung) oder etwas höher bei Heizkörpern. Der Rücklauf liegt typischerweise einige Grad darunter. Ein Vorlauf von dauerhaft über 50 °C bei milden Temperaturen ist ein Hinweis auf eine zu steile Heizkurve.
5. Betriebsstunden notieren. Unter „Betriebsdaten" die Verdichter-Betriebsstunden ablesen und mit Datum notieren. Interessant ist der Jahresvergleich: Eine gut ausgelegte Wärmepumpe erreicht grob 1.800 bis 2.200 Vollbenutzungsstunden im Jahr. Auffällig sind vor allem viele sehr kurze Starts (Takten) oder ein deutlich gestiegener Wert.
6. Jahres-Stromverbrauch vergleichen. Zählerstand notieren und mit dem Vorjahr vergleichen. Beispiel: 2.800 kWh im Vorjahr, 3.200 kWh in diesem Jahr sind 400 kWh oder rund 14 % mehr – im Rahmen kalter Winter noch erklärbar. Über etwa 20 % Anstieg ohne Wetterursache sollte die Ursache geklärt werden (mehr dazu im Artikel WP-Stromzähler richtig lesen).
7. Heizkurve grob prüfen. Notieren Sie bei rund 5 °C außen die Vorlauftemperatur. Ist sie deutlich höher als für Ihr Heizsystem nötig, lässt sich die Heizkurve absenken – oft der einfachste Effizienzgewinn. Die genaue Justage übernimmt am besten der Fachbetrieb.
8. Warmwassertemperatur. Der Sollwert liegt sinnvoll bei 50 °C. Am Hahn sollte das Wasser angenehm warm ankommen (durch das Mischventil meist um 43 °C). Steht der Speicher dauerhaft auf 60 °C, ist das zulässig, aber weniger effizient – zur Legionellen-Frage siehe den Artikel Legionellenschutz mit Wärmepumpe.
9. Schmutzfänger und Filter. Im Heizkreis sitzt in der Regel ein Schmutzfänger (Sieb), der Partikel aus dem Heizungswasser fängt. Verschmutzt er, sinkt der Durchfluss und die Effizienz. Die Reinigung gehört meist in die Fachwartung; Sie können den Zustand aber im Blick behalten. Ein Luftfilter existiert nur bei Geräten mit Innenluft- oder Lüftungsfunktion – dort ihn nach Herstellerangabe prüfen.
10. Fehlerspeicher durchsehen. Unter „Fehler" oder „Meldungen" die Liste durchgehen. Harmlos sind Einträge wie „Abtauzyklus gestartet". Notieren sollten Sie Meldungen wie Hoch- oder Niederdruckalarm, Sensor-Fehler oder Durchflussstörungen und sie beim nächsten Termin zeigen.
11. Sichtkontrolle auf Undichtigkeiten. Unter Außen- und Inneneinheit sowie an Rohrverschraubungen auf Wasser- oder Ölspuren achten. Kondenswasser unter dem Außengerät ist normal; dunkle, klebrige Ölflecken sind es nicht – sie können auf ein Kältemittelleck hindeuten und gehören gemeldet.
12. Raumregelung testen. Stellen Sie den Sollwert probeweise nach oben und unten. Reagiert die Anlage nach kurzer Verzögerung (Vorlauf steigt bzw. sinkt), arbeitet die Regelung. Keine Reaktion deutet auf eine leere Thermostat-Batterie oder ein Funkproblem hin.
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Die Checkliste zum Ausdrucken
Notieren Sie die Werte jedes Jahr – so wird der Vergleich zur Diagnose:
JAHRESCHECK 20__ Datum: ________
[ ] 1. Verdampfer/Außeneinheit frei
[ ] 2. Kondensatablauf frei
[ ] 3. Anlagendruck: ____ bar (Ziel 1–2 bar, kalt)
[ ] 4. Vorlauf bei 5 °C außen: ____ °C
[ ] 5. Betriebsstunden: ____ h (Vorjahr: ____ h)
[ ] 6. Jahresstrom: ____ kWh (Vorjahr: ____ kWh)
[ ] 7. Heizkurve grob geprüft
[ ] 8. Warmwasser-Sollwert: ____ °C
[ ] 9. Schmutzfänger/Filter kontrolliert
[ ] 10. Fehlerspeicher durchgesehen
[ ] 11. Keine Lecks/Ölspuren sichtbar
[ ] 12. Regelung reagiert auf Sollwert
Auffälligkeiten:
________________________________________
Nächster Fachtermin: ________
Was in die Fachwartung gehört
Der Selbstcheck ersetzt keine Wartung. Ein Fachbetrieb prüft und dokumentiert, was Sie nicht selbst dürfen: den Kältekreis und dessen Drücke, die Dichtheit (je nach Füllmenge und Kältemittel besteht eine Prüfpflicht), den hydraulischen Abgleich, die elektrische Sicherheit und die Feinjustage der Regelung. Zeigen Sie dem Techniker Ihre Notizen und den Fehlerspeicher – das spart Zeit und macht die Wartung gezielter.
Fazit: Der günstigste Werterhalt, den es gibt
Ein jährlicher Selbstcheck kostet nichts außer einer halben Stunde und schützt vor teuren Überraschungen. Der wichtigste Handgriff ist der Blick auf den Anlagendruck (1–2 bar); dazu kommen Verdampfer, Kondensatablauf, Verbrauchstrend und Fehlerspeicher. Alles, was tiefer geht – vor allem der Kältekreis – bleibt dem Fachbetrieb vorbehalten. Wer beides kombiniert, hält seine Wärmepumpe effizient und langlebig.
Häufige Fragen zum jährlichen WP-Check
Muss ich das jeden Monat machen?
Nein, einmal im Jahr genügt für den vollständigen Check. Sinnvoll ist zusätzlich ein kurzer Blick zwischendurch – ist die Außeneinheit frei, stimmt der Anlagendruck, gibt es Fehlermeldungen.
Was mache ich, wenn ich einen Wert nicht verstehe?
Notieren und beim nächsten Fachtermin zeigen. Sie müssen nicht alles bewerten können – der Sinn des Checks ist, Auffälligkeiten früh zu bemerken und weiterzugeben.
Der Anlagendruck ist unter 1 bar – was tun?
Wasser nachfüllen, bis der Druck bei kalter Anlage wieder etwa 1,5 bar erreicht. Trauen Sie sich das nicht zu oder fällt der Druck immer wieder ab, ist das ein Fall für den Fachbetrieb – wiederkehrender Druckverlust deutet auf eine Undichtigkeit oder ein defektes Ausdehnungsgefäß.
Ersetzt der Selbstcheck die Wartung?
Nein. Er ergänzt sie. Kältekreis, Dichtheitsprüfung, hydraulischer Abgleich und elektrische Sicherheit gehören in Fachhände. Der Selbstcheck hilft, den Zustand zwischen den Wartungen im Auge zu behalten.
Stand: 3. Juli 2026. Alle Werte als Orientierung; herstellerspezifische Vorgaben und Anzeigen können abweichen und gehen im Zweifel vor.
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